1.2 wikis

die wissensmanagement-lösung für unternehmen?

Wissen ist die Schlüsselressource für die Wettbewerbsfähigkeit moderner Unternehmen. Der Erfolg sogenannter Social Software, wie zum Beispiel Wikis, im öffentlichen Internet weckt derzeit das Interesse, diese unternehmensintern einzusetzen und damit Defizite klassischer Wissensmanagement-Lösungen zu überwinden. Wir erläutern Prinzipien, Einsatzbereiche und Chancen von Wikis, aber auch mögliche Probleme. Anschließend zeigen wir zukünftige Entwicklungen auf und beschreiben die Umrisse eines Gesamtkonzepts für Wissensmanagement in agilen Unternehmen.

wissen im unternehmen

In den letzten 30 Jahren vervielfachten Unternehmen die Produktivität ihrer Kernprozesse erfolgreich durch Reengineering, Automatisierung und das Outsourcing von Tätigkeiten außerhalb der eigenen Stärken. Darin liegt aber auch eine große Gefahr: Zusätzliche Produktivitätsgewinne sind auf diesem Weg kaum mehr möglich, und die Wettbewerber, zum Teil auch neue Player aus Niedriglohnländern, haben bei den bisherigen Verbesserungen gleichgezogen. Unternehmen differenzieren sich immer mehr durch die Erfüllung von Spezialanforderungen und kundennahe Dienstleistungen. Wertschöpfende Tätigkeiten verlagern sich dabei zunehmend in Bereiche mit einem hohen Anteil unstrukturierter, wissensintensiver Prozesse (Johnson 2005).

Charakteristisch für diese sogenannte Wissensarbeit (Drucker 1973) ist ein hohes Maß an Komplexität, ein großer Einfluss von Erfahrungswissen sowie ein hoher Anteil von Kreativität und Entscheidungen. Die organisatorische Aufgabe, die ausführenden Wissensarbeiter mit den erforderlichen Informationen zu versorgen, wird als Wissensmanagement bezeichnet. Klassische Zielgrößen sind die Steigerung der Produktivität von Wissensarbeitern, der Wissenstransfer auf neue Mitarbeiter und die Reduktion der Abhängigkeit von einzelnen Wissensträgern.

Unternehmen mit einem hohen Anteil an Beratungs-, Dienstleistungs- und Ingenieurtätigkeiten verfügen traditionell über ein breites Methodenspektrum im Wissensmanagement. Dabei spielt auch Informationstechnologie eine wichtige Rolle. Begünstigt wurde diese Entwicklung durch die steigende Anzahl von Arbeitsplatzrechnern und deren Vernetzung (Grudin 1994). Wissensmanagement-Systeme (Maier 2003) umfassen die seit Anfang der 1990er eingeführten Kommunikationswerkzeuge, Dokumentenablage und -management, Groupware bis hin zu spezialisierten Expertensystemen.

Neben bemerkenswerten Erfolgen dieser Systeme hat der praktische Einsatz auch einige Probleme aufgezeigt:

• Mangelnde Akzeptanz durch geringe Motivation (Cabrera und Cabrera 2002; Wasko und Faraj 2005) oder die Angst, sensible Informationen preiszugeben (Ardichvili 2003; Orlikowski 1992);
• eine Zersplitterung und Wucherung in zu viele einzelne Datenbanken, oft mit veralteten und unvollständigen Daten sowie
• zu starre Strukturen (insbesondere bei Workflows und Taxonomien), welche dazu führen, dass um die IT-Lösung herumgearbeitet wird, da sie nicht mit den Anforderungen flexibler Ad-hoc-Zusammenarbeit harmonieren.

Zudem sind viele Wissensmanagement-Systeme auf die Bedürfnisse großer Unternehmen zugeschnitten. Für kleine und mittlere Unternehmen sind sie zu kostspielig und schwierig zu pflegen.

Aus den genannten Gründen ist mit der Zeit ein Bedarf an offenen, leichtgewichtigen Systemen zur Unterstützung des Wissensmanagements entstanden. Seit einigen Jahren wurde eine neue Reihe von Anwendungen im Internet angeboten, die diese Lücke schließen. Diese Social Software (Hippner 2005) basiert auf den Prinzipien Freiwilligkeit und Selbstorganisation. Beiträge werden durch niedrige Zutrittshürden erleichtert und liefern einen sofortigen Nutzen für den Anwender. Aus kleinen Beiträgen vieler Anwender entstehen wiederum imposante Ergebnisse. Beispiele für die Ergebnisse solcher Gemeinschaftswerke sind die Bookmark- Sammlung del.icio.us, die Foto-Community Flickr und die Wiki-basierte Enzyklopädie Wikipedia. Viele dieser Anwendungen wurden erfolgreich in einen Unternehmenskontext übertragen (McAfee 2006). Studien zeigen daher ein wachsendes Interesse am betrieblichen Einsatz von Social Software, der sich nicht zuletzt auch in der regen Beteiligung am Arbeitskreis Wissensmanagement des MFG Innovationsprogramms Web 2.0 gezeigt hat. Wikis erscheinen uns für das Wissensmanagement als der zentrale Baustein.

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