2.2 neue geschäftsmodelle mit web 2.0?

wertschöpfungspotenziale und anwendungsfelder

Die mit dem Web 2.0 assoziierten Veränderungen für Wirtschaft und Gesellschaft sind weit reichend, und sie haben erst begonnen. Aus dem Web wird eine Kollaborationsplattform für jedermann. Eine ganze Reihe bestehender Märkte ändert ihre Gesetze, und die Geschäftsmodelle der Marktteilnehmer sind gefährdet. Grund genug für jeden Marktteilnehmer zu prüfen, welche Auswirkungen diese Veränderungen auf sein Geschäftsmodell haben werden. Der folgende Beitrag beginnt mit einer Beschreibung des Web 2.0 und der damit verbundenen Veränderungen. Anschließend wird den Fragen nachgegangen, was Geschäftsmodelle sind und welche es im Web bereits gibt. Den Abschluss bildet die Darstellung einer Reihe von Anwendungsfeldern, die besonders grundlegenden Veränderungen unterworfen sind oder sein werden.

was ist web 2.0?

„Web 2.0 – Wir sind das Netz“ ist überall dort zu lesen, wo sich Web 2.0-Evangelisten treffen. Die zentralen Web 2.0-Entwicklungen der vergangenen Jahre wurden bereits Ende der 60er Jahre von den visionären Wissenschaftlern Douglas Carl Engelbart und Joseph C. R. Licklider prognostiziert. Die ersten Computergenerationen hatten den Charakter von Maschinen. Mit dem Aufkommen des Personal Computers Anfang der 80er Jahre verschob sich der Fokus hin zu einem Werkzeug. Maschinen konnten nur von Experten programmiert werden, Personal Computer auch von Laien. Den Beginn eines noch bedeutenderen Paradigmenwechsels erlebten die Computer-Nutzer Anfang dieses Jahrzehnts. Der Computer wird im Verbund mit dem Internet zum universellen Kollaborationsmedium. Aktivitäten einzelner Nutzer haben eine kausale Auswirkung auf andere Nutzer (Mocigemba 2003: 152). Im Unterschied dazu steht der Nutzer mit dem Werkzeug isoliert da. Licklider prägte für die beiden Nutzungsvarianten die Begriffe informational housekeeping und cooperative modeling. Cooperative modeling beschreibt die aktuell beobachtbaren Entwicklungen sehr treffend. Welche Rolle spielen aber das Internet und das World Wide Web?

Das Ende der 60er Jahre entstandene Internet ist ein Computernetzwerk, das räumlich getrennte Computer verbindet. Jeder Knoten in diesem Netzwerk verfügt über eine eindeutige IP-Adresse. Mit geeigneten Werkzeugen können Experten von Rechner zu Rechner navigieren und ihre Aktivitäten entfalten. Mit dem nunmehr 15 Jahre alten Web (1.0) wurde zum Zwecke der Navigation das Konzept der Hyperlinks eingeführt. Inhalte werden über eindeutige URLs adressiert. Der Nutzer muss sich keine Gedanken um die physische Position des konkreten Inhalts machen. Über das Computernetzwerk wurde die Abstraktion eines Informationsnetzwerks gelegt. Dessen Nutzung wurde auf Laien erweitert.

Mit dem Web 2.0 verweisen Inhalte auf Personen. Personen werden Teil des navigierbaren Netzwerks und sind über Inhalte erreichbar. Personen werden ihrerseits mit Inhalten und mit anderen Personen verknüpft. Das Informationsnetzwerk wird um die Abstraktion des sozialen Netzwerks ergänzt. Verknüpfungen zwischen Personen machen soziale Interaktionen möglich. Soziale Interaktion erhöht das Wertschöpfungspotenzial erheblich. Das Web wurde bisher vorwiegend als Werkzeug für die Präsentation von Inhalten und die Ausführung von Transaktionen genutzt. Mit dem interagierenden Menschen aber wird das Web zur Infrastruktur für die Wertschöpfung an sich. Und die Menschen? „Die vernetzten Menschen sind der Computer.“


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