warum wissensmanagement 2.0?
chancen von social software fĂĽr das wissensmanagement
Wissen ist zum wichtigsten Produktionsfaktor geworden und wissensintensive Arbeite machen einen Großteil der Wertschöpfung aus. Die Bedeutung der Unterstützung von Wissensarbeit und Lernen wird so auch auf breiter Front gesehen und kehrt – wieder einmal – in das Zentrum der Unternehmensstrategien zurück (vgl. BITKOM 2007). Unternehmen starten Initiativen, um den Wissenstransfer im Unternehmen zu fördern, um die Bewahrung des Wissens zu sichern oder um externe Wissensquellen besser einzubinden. Dabei ist der Terminus Wissensmanagement 2.0 etwas unglücklich – bereits das Wissensmanagement 1.0 hat sich mit sehr modern anmutenden Aspekten und Instrumenten beschäftigt, wie beispielsweise der Förderung von Zusammenarbeit in Gemeinschaften.
Insgesamt wächst die Erkenntnis, dass sich Wissen nicht unabhängig vom Träger benutzen lässt. Der Mensch als Wissensträger wird mittlerweile stärker in seiner sozialen Vernetzung wahrgenommen und sein Wissen als ein Ergebnis von Kommunikation und kontextspezifischer Erfahrung verstanden (vgl. Johnson, Manyika und Yee 2005). Wissensmanagement 2.0 zielt so auch auf einen anderen Umgang mit der Ressource Wissen und zieht soziale Netzwerke, Relevanz, Workflows und wissensorientierte Beziehungen in die Betrachtung mit ein. Damit verbunden ist auch die weitere Abkehr von Versuchen, Wissensmanagement rein (inforbzw. Partner mit gleich gelagerten Interessen entdecken und kennen zu lernen sowie an der Produktion und der Verteilung von Wissen in diesen Netzwerken zu partizipieren. mations-)technologisch anzugehen. So wandelt sich das Wissensmanagement zunehmend von IT- und werkzeugorientierten zu personen- bzw. organisationsorientierten Ansätzen. Folgerichtig wird flexible und adaptive Social Software zur nahe liegenden Infrastruktur für dynamische Strukturen, betriebliche (Informations-) Technologien, Unternehmenskulturen und Mitarbeiter.
Wikis, Weblogs und andere Social Software sind innovative Werkzeuge, die der Wissensarbeit neue Horizonte eröffnen, indem sie als kollaborative Arbeitsumgebungen die Mitarbeiter selbst zu Inhalteproduzenten im Unternehmen machen. Gleichwohl setzt Social Software vor allem an der Unterstützung von Gruppen und Teams an, das heißt an den kollaborativen Aspekten der Wissensarbeit. Die soziale Dynamik und das soziale Netzwerk stehen im Vordergrund, Konversationen und die Kopplung zwischen Individuen und Gruppen werden unterstützt (vgl. Shirky 2003). Social Software ist also ein hybrider Ansatz, der Individualisierung und Zusammenarbeit sinnvoll koppelt: Selbstorganisierte, individuelle Wissensarbeit und Strukturen und Praktiken der Zusammenarbeit werden simultan unterstützt. Wissensarbeit wird so selbstgesteuerter und selbstverantwortlicher – und gleichzeitig eingebundener in die Zusammenarbeit mit anderen. In der Folge muss sowohl die nötige Autonomie, als auch Zusammenarbeit ermöglicht und gefördert werden. Persönliches Wissensmanagement wird dabei nicht vernachlässigt, sondern ist sowohl Grund element als auch wichtiges Gestaltungsobjekt, beispielsweise wenn geeignete Instrumente zur Förderung des persönlichen, individuellen Wissensmanagements ausgewählt und in das organisationale Wissensmanagement eingepasst werden. Erhöhte Konnektivität zwischen den Mitarbeitern soll dann unter anderem das organisatorische Lernen unterstützen: Menschen in Organisationen lernen nicht allein in Fort- und Weiterbildungsprogrammen, sondern unter Umständen auch mehr und schneller im Kontakt mit Experten, in informellen Lernnetzwerken und in der täglichen Zusammenarbeit im Team. Die Interaktion mit anderen Menschen ist dabei besonders wertvoll, allerdings sind gerade diese persönlichen Interaktionssituationen nur schlecht skalierbar, unter anderem weil räumliche und zeitliche Restriktionen wirken. Der eigentliche Wert von Social Software liegt denn auch weniger in der Bereitstellung von Wissen, sondern in der Unterstützung von Relationen, insbesondere in informellen Strukturen und ad hoc zusammengestellten Teams von Wissensarbeitern. Social Software erhöht zudem die Sichtbarkeit und damit das organisatorische Potenzial informeller Strukturen. Im Idealfall ist es möglich, die Bündelung von bisher unverbundenen Mitarbeitern, Gedanken, Ideen und Informationen zu erreichen, die in klassischen Wissensmanagementsystemen und Taxonomien nicht erfasst bzw. sichtbar werden, die aber potenziell nützlich sind. Hier fördert Social Software selbstorganisierte, kollaborative und ko-aktive Wissensarbeit: Mitarbeiter wandeln sich vom passiven Wissensrezipienten zum aktiven Wissensschaffer – und vom isolierten Einzelkämpfer zum bewussten Teamplayer und aktiven Sucher und Weiterverteiler von relevantem Wissen.
einsatzarenen von social software im wissensmanagement 2.0
Social Software-Werkzeuge bieten neue Ansatzpunkte, um traditionelle Herausforderungen des Wissensmanagements zu bewältigen. Die Verwendung von Social Software kann die Interaktionsprozesse im Unternehmen vereinfachen, beschleunigen und verbessern. Insbesondere kann das Teilen von Wissen und Ideen, wechselseitiges Lernen und kollaboratives Brainstorming gefördert werden. Einige generische Einsatzarenen für Social Software im Wissensmanagement sind beispielsweise:
• die Ersetzung oder Ergänzung des bestehenden oder die Einrichtung eines neuen Intranets für die Unterstützung der Wissensarbeit im Unternehmen. Wikis ermöglichen dann unter anderem die kollaborative Bearbeitung von Inhalten und deren einfache Verteilung und Wiederverwendung. Ein Beispiel ist die verteilte, kollaborative Erarbeitung von FAQs oder auch die Erstellung, Verteilung und Vernetzung von Grundlageninformationen;
• die Beschleunigung der Wissensprozesse im Unternehmen, unter anderem indem die Sichtbarkeit und Auffindbarkeit der Wissensund Kompetenzträger erhöht wird. Wikis helfen dann dabei, das Wissen, das sich innerhalb eines Unternehmens bei den Mitarbeitern befindet, aber auch das der Kunden und Partner, systematisch zu nutzen. Ein Beispiel ist die Nutzung von Wikis als flexiblen Yellow Pages, die es den Benutzern selbst ermöglichen, ihre Kenntnisse und Interessen, ihre Projekterfahrungen etc. aktuell zu halten;
• die Unterstützung verteilter, thematisch organisierter Diskussionen, sei es in Weblogs, Wikis oder dedizierten Diskussionsseiten aber auch die Unterstützung von vernetztem Lernen (Lernen in der Peer Group Entdeckung von relevantem Wissen über die unternehmensinternen sozialen Netzwerke etc.);
• die Unterstützung von Gruppen- und Team- Zusammenarbeit, beispielsweise können Wikis oder Weblogs zur Vor- und Nachbereitung von Meetings genutzt werden (Verteilung von Agendas, Verwaltung von Aufgabenpaketen, Terminen und Teilnehmern, Dokumentation etc.);
• die Einrichtung situations- und aufgabengerechter Applikationen, unter anderem leistungsfähiger Portale für Projekte, die verschiedene Perspektiven integrieren und vernetzen. Projektmitarbeiterportale, Aufgaben- und Prozessportale etc. können zudem mit RSS-Feeds kombiniert werden, um die effiziente Verteilung der Informationen zu erreichen. Zudem können beispielsweise Wikis als einfache Dokumentenarchive dienen, die nicht nur auf verschiedene Weise strukturierbar sind, sondern zum einen auch über eine Volltextsuche erschlossen werden können und zum anderen frühere Dokumentenversionen eigenständig verwalten.
Daneben ergeben sich vielfältige (unternehmens-) spezifische Einsatzarenen von Social Software mit indirektem Bezug zum Wissensmanagement. Beispiele sind die Unterstützung und Ergänzung bestehender M (Management Information)- oder DS (Decision Support)- Systeme, die Unterstützung von Innovations- und Ideenmanagement etc.
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