was ändert sich mit dem web 2.0?
Zentrale Merkmale des Web 2.0 sind Partizipation, Selbstorganisation und soziale Rückkopplung. Die drei wichtigsten durch das Web 2.0 induzierten Veränderungen sind:
- Der Mensch wird Bestandteil des Netzes.
- Neue Kollaborationsformen entstehen.
- Das Web wird zur universellen Plattform.
der mensch wird bestandteil des netzes
Nutzer werden bei Web 2.0 zu Teilnehmern. Ihre Rolle beschränkt sich nicht mehr auf den Konsum von Inhalten. Teilnehmer erweitern ihre Aktivitäten um das Kommentieren, Bewerten und Kategorisieren bestehender sowie das aktive Produzieren neuer Inhalte. Sie machen mit ihren Inhalten auf sich aufmerksam. Sie schaffen Repräsentationen ihrer selbst, stellen Beziehungen zu anderen Nutzern her und treten mit diesen in Interaktion. Der Web 2.0- Nutzer wird zur öffentlichen Person.
Für geschäftliche Ziele entwickelt sich das Reputationsmanagement zu einem entscheidenden Erfolgsfaktor. Eine virtuelle Identität wird aufgebaut, bestehend aus einem oder mehreren Profilen mit Vorlieben, Interessen, Leistungen oder der Beschreibung von Kontaktwünschen. Ergänzt werden Profile um recherchierbare Texte und multimediale Veröffentlichungen. Das soziale Umfeld wird öffentlich gemacht und damit die eigene Bedeutung dokumentiert. Die Sichtbarkeit des Umfelds und der Kommunikation mit diesem untermauert die eigene Darstellung. Verknüpfungen mit und Kommentare von Bekannten haben den Charakter von Empfehlungen. Öffentlich nachvollziehbare Kommunikation schafft Authentizität und letztlich Vertrauen. Social Networking- Plattformen bieten die zur Selbstdarstellung notwendigen Beziehungsräume.
neue kollaborationsformen entstehen
Wikipedia ist ein Beispiel für das Potenzial neuer Kollaborationsformen, Open Source-Software ein weiteres. Durch das Zusammenwirken eigenverantwortlicher und motivierter Akteure werden Werte geschaffen. Auch die Effektivität und Effizienz bestehender Organisationen kann beträchtlich gesteigert werden. Ein bemerkenswertes Beispiel ist die CIA. Nach den Anschlägen vom 11. September wurde schnell klar, dass die amerikanischen Geheimdienste zu langsam sind. Die Verantwortlichen gelangten zu der Überzeugung, dass selbst eine Reorganisation das zugrunde liegende systematische Problem nicht löst. Informationsflüsse in hierarchischen Organisationen sind zu träge, wenn der Feind mit autonomen Gruppen agiert. Ein Kollaborationssystem aus Wikis und Weblogs wurde eingeführt. Einzelne Mitarbeiter sollten durch eine gemeinsame Strategie geführt werden. Jeder extrahierte die für ihn relevanten Informationen eigenverantwortlich aus der gemeinsamen Wissensbasis und machte anderen relevante Informationen verfügbar.
Unter dem Stichwort Sharing werden Inhalte mit anderen geteilt und gemeinsam erstellt. Der resultierende User Generated Content steht wegen seinen Verknüpfungen mit den Autoren nicht isoliert im Raum. Linking schafft als wesentlichen Mehrwert einen Kontext für diese Inhalte, bestehend aus Lesern und Autoren. Über solchermaßen angereicherte Inhalte werden Personen gefunden und Menschen auf Basis gemeinsamer Interessen verknüpft. Inhalte wirken als Katalysator für soziale Interaktionen und die Herstellung oder Vertiefung persönlicher Beziehungen.
Neue Kollaborationsformen sind durch Selbstorganisation gekennzeichnet. Mitglieder tragen in ihrer Gesamtheit Verantwortung für die Organisation der Leistungserstellung. Nutzer des Systems sind selbst Teil des Systems und tragen bei, was sie am besten können. Ressourcen werden so effizient verteilt. Im Unterschied dazu haben Nutzer klassischer Intranets kaum direkte Möglichkeit zur Teilnahme. Ein Verantwortlicher legt sowohl den Prozess zur Veröffentlichung von Inhalten als auch deren Prüfung fest. Die Extraktion von Mitarbeiterwissen in die unternehmensweite Wissensbasis wird wirksam verhindert. Mitarbeiter sind lediglich Konsumenten von Information, die durch eine kleine Gruppe organisiert und verteilt wird.
das web wird zur universellen plattform
Einen großen Einfluss auf die Weiterentwicklung des Internets hat die Konvergenz verschiedener vormals getrennter Medien. Die Digitalisierung der gesamten Medienindustrie hat eine Vereinheitlichung der technisch-strukturellen Infrastruktur zur Folge. Unter dem Namen Triple Play werden von Telefonnetzbetreibern, Internet Service Providern und Kabelnetzbetreibern gleichsam Fernsehen, Internet und Telefonie angeboten. Jeder kann alles liefern. Auf traditionellen Einzelmärkten erscheinen ebenfalls neue Konkurrenten. Skype bietet Telefonie an. Das Fernsehen bekommt Konkurrenz durch YouTube. Die Telekom liefert die Fußball-Bundesliga live über das Internet. Der ehrwürdige Brockhaus behält nur die Alten und die Elite als Kunden. Die Zukunft liegt bei Wikipedia. CD-Geschäfte werden durch iTunes substituiert und Bildagenturen weichen Flickr & Co. Die elektronischen Medien wachsen zusammen und das Internet integriert alle. Schließlich lösen sich die Medien von spezifischen Endgeräten. Geräte werden mobil und erlauben den Konsum aller Medien – jederzeit und überall.
Auch das Web unterliegt zwei wichtigen technisch-organisatorischen Veränderungen. Sogenannte Mashups führen Inhalte aus verschiedenen Quellen in einer Web-Oberfläche zusammen. Die eingebundenen Daten und Medien kommen direkt vom jeweiligen Anbie ter. Ein Beispiel ist die Anreicherung von Seiten um Kartenausschnitte von Google Maps. Arbeitsteilung hält Einzug in die Erstellung von Web-Anwendungen. Der Wert von Daten und die Bedeutung der Datenlieferanten erhöhen sich durch die Vielfachnutzung.
Moderne Web-Anwendungen erfreuen sich schließlich einer wesentlich smarteren Nutzung. Der Anwender muss nicht mehr auf das Laden und den Aufbau der Seite warten. Neben wesentlich höheren Bandbreiten ist dafür eine Technik namens AJAX verantwortlich. Nur Fragmente der aktuellen Seite werden neu geladen und dynamisch eingefügt. Die User Experience von Web-Applikationen nähert sich mit großen Schritten der Qualität von Desktop- Anwendungen an. Der Webtop übernimmt immer mehr Aufgaben. Der Nutzer muss keine Software mehr installieren, konfigurieren und upgraden. Dafür sind die Dienstanbieter zuständig. Das erfolgsversprechende Modell Software as a Service (SaaS) funktioniert wie Software aus der Steckdose.
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